Adoptantenberichte

Erfahrungsbericht Sugar:

Wir haben einen unglaublich tollen Erfahrungsbericht von Adoptanten erhalten, welche noch bei Sieben Leben e.V. adoptiert haben und euch gerne davon erzählen möchten:
Vor 1,5 Jahren haben wir, mein Partner und ich, uns entschieden, dem weißen Kater Sugar bei uns ein Zuhause zu geben. Obwohl er anfangs viel zu scheu war, als dass wir ihn streicheln konnten, haben wir uns auf den ersten Blick in ihn verliebt. Sein neugieriger „Blick“ unter dem Bett im Pflegestellenzimmer hervor reichte uns aus, das Potenzial eines treuen Gefährten in ihm zu sehen. Der „Blick“ war eher ein Horchen – denn Sugar ist blind und hat seine Sehfähigkeit und ein Auge an den Katzenschnupfen-Virus verloren. Auf den Straßen Kretas hätte er, unbehandelt und orientierungslos wie er war, wohl kaum eine Chance gehabt zu überleben. Sein großes Glück also, dass es Sieben Leben/ Seelenkatzen gibt, die für ihn ein passendes und sicheres Zuhause in Wohnungshaltung gesucht haben. Zeit, Geduld, Ruhe und Liebe war genau das, was Sugar gebraucht hat – mittlerweile ist er ein aufgeweckter, liebenswürdiger und verschmuster Kater, der genauso gern auf Fensterbänke und Kratzbäume klettert, wie jede andere Katze. Was er auch gebraucht hat, war eine Katzenfreundin – und so kam die dreibeinige Tricolore-Katze Praline vor einigen Monaten in unsere Familie.
Praline war extrem traumatisiert und hatte Angst vor Händen und Menschen im Allgemeinen, als wir sie auf ihrer Pflegestelle besuchten. Doch ihre ungebrochene Neugierde und die aufgeweckten Augen, die unter dem Bett hervorblitzten, erinnerten uns daran, dass Zeit, Geduld, Ruhe und Liebe schon so manche Katzenseelen geheilt hat. Während Sugar das Streicheln schon nach wenigen Tagen lieben gelernt hat, durften wir Praline die ersten sechs Wochen weder streicheln, noch zu nahe kommen; Ihre Grenzen zeigte sie deutlich durch Fauchen. Ungebrochen war jedoch ihre Spielfreude – und damit konnten wir sie letztendlich überzeugen, mit uns zu interagieren und uns kennenzulernen. Praline hat ihren eigenen Kopf und hat uns klar gemacht, dass wir sie nicht einengen dürfen und sie auf uns zugeht, sobald sie bereit ist. Nun jagt sie auf ihre drei Beinchen stundenlang mit größter Freude Spielzeugbälle durch die Wohnung, lässt sich gerne ausgiebig streicheln und hat gelernt, auch mal richtig entspannt zu schlafen – am liebsten auf unserem Schoß.
Die Zusammenführung eines blinden Katers, der die Katzenkörpersprache nicht verstehen kann, und einer extrem verängstigten Katze war, wie man sich vorstellen kann, wirklich nicht leicht. In den ersten Wochen untermalte Gefauche und drohender Singsang ein jedes Zusammentreffen. Doch die Tierschützer:innen von Sieben Leben/Seelenkatzen lagen richtig in der Vermutung, dass die beiden gut zusammenpassen könnten. Die Hoffnung war, dass Praline von Sugars Aufgeschlossenheit gegenüber den Menschen profitiert, und Sugar von Pralines Spielfreude und Aufgewecktheit angesteckt wird. Und so kam es: Sugar und Praline haben gelernt, zu kommunizieren, haben eine eigene Sprache entwickelt. Auch nach neun Monaten gibt es noch Missverständnisse in der Verständigung, die hier und da in Fauchen und Schimpfen endet. Immer öfter aber tollen sie in Einklang auf dem Teppich, teilen sich den Schoß der Futtergebenden oder putzen sich gegenseitig das Gesicht. Zeit, Geduld, Ruhe und Liebe sind auch in der Zusammenführung die Schlüssel, und jeden Tag wachsen sie weiter zusammen.
Die Ratschläge und Erfahrungsberichte der Tierschützer:innen von Sieben Leben/Seelenkatzen haben uns sehr geholfen, die nötige Geduld aufzubringen und jeder Katze individuell zu begegnen. Dass dem Verein die Katzen als Individuen am Herzen liegen, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass regelmäßiger Kontakt auch nach 1,5 Jahren noch vorhanden ist und sie für jede Frage ein offenes Ohr und einen guten Tipp haben. Besonders erwähnen möchte ich auch das emotionale Wiedersehen zwischen unseren Seelenkatzen und der Tierschützerin auf Kreta, die die beiden damals gefunden und aufgepäppelt hat und uns neulich besucht hat. Transparenz, Fürsorge und ehrliches Interesse an den Katzen und dem zukünftigen Zuhause zeichnen Seelenkatzen e.V. aus. Durch viele, auch private, Fragen beim Vermittlungsgespräch wird sichergestellt, dass jeder Katze ein passendes Zuhause auf Lebenszeit geboten werden kann und Mensch und Tier mit der Adoption glücklich werden. Dabei sollte man sich bewusst sein, dass es Tage, Wochen oder Monate dauern kann, bis die Katzen vertrauen schöpfen oder eine Zusammenführung gelingt. Auch dass (Reise-)Krankheiten oder durch Stress bedingte Infekte ausgelöst werden und teure Behandlungen nötig sein können, muss einem klar sein. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass solche Hindernisse Katz‘ und Mensch noch stärker zusammenschweißen, sofern man bereit ist, eine Samtpfote – komme was wolle – als Familienmitglied aufzunehmen.
Es gibt kein Rezept und keine Garantie dafür, eine Straßenkatze zur Schmusekatze zu machen – doch wenn das Bauchgefühl stimmt, gibt es sicherlich für jede Seelenkatze einen Weg, ihre Neugier zu wecken und Vertrauen zu gewinnen. Die Beziehung, die wir zu unseren Katzen aufgebaut haben, ist sehr besonders, und gerade durch den holprigen Weg dahin sehr innig. Jeden Tag aufs Neue zeigen sie uns auf ihre Weise, wie sehr sie die Sicherheit, Liebe und das leckere Dosenfutter zu schätzen wissen.
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